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Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sorgte auch im Jahr 2012 für ein hohes Maß an Unsicherheit. Die Weltwirtschaft konnte sich zwar dank fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen erholen, verlor jedoch wieder an Schwung, nachdem die Konjunkturprogramme ausgelaufen waren. Konsolidierungsmaßnahmen, die die Schuldenstandsquoten senken sollten, und eine hohe private Verschuldung insbesondere im Euro-Raum und in den USA minderten im Jahr 2012 das Wachstum der Industrieländer. Daraus folgte eine schwache Nachfrage, die den Außenbeitrag der Schwellenländer dämpfte. Im Vergleich zu den Industrieländern profitierten diese jedoch von einem robusten Anstieg des privaten Konsums und der Investitionen. Ihre jeweils geringere Staatsverschuldung ließ eine Konsolidierung weniger dringlich erscheinen. Insbesondere die Schwellenländer und die USA stabilisierten die Weltwirtschaft erneut, wenn auch in geringerem Maße als im Vorjahr. Das weltweite BIP wuchs im Jahr 2012 um 2,9 % (2011: 3,8 %).

ANTEIL FÜHRENDER WIRTSCHAFTSNATIONEN AM WELTWEITEN BIP


in % 2011 2010
Quelle: IMF, World Economic Outlook, Oktober 2012
USA 19,1 19,5
China 14,3 13,6
Japan 5,6 5,8
Indien 5,6 5,5
Deutschland 3,9 4,0
Russland 3,0 3,0

in % 2011 2010
Quelle: IMF, World Economic Outlook, Oktober 2012
USA 19,1 19,5
China 14,3 13,6
Japan 5,6 5,8
Indien 5,6 5,5
Deutschland 3,9 4,0
Russland 3,0 3,0

Europa

Konsolidierungsanstrengungen im privaten und öffentlichen Sektor und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Finanz- und Schuldenkrise belasteten im Jahr 2012 die Konjunktur im Euro-Raum. Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), darunter langfristige Refinanzierungsgeschäfte und die angekündigte Intervention bei Staatsanleihen, sowie die Einrichtung eines permanenten Rettungsschirms und die Einigung über den Europäischen Fiskalpakt beruhigten die Märkte nur temporär. Der Euro verlor an Vertrauen, konnte sich aber zum Jahresende von seinem Jahrestiefstand gegenüber dem US-Dollar im Sommer erholen. Gleichzeitig ging die Importnachfrage zurück. Dies hatte positive Außenhandelsbeiträge zur Folge, die den Rückgang der Binnennachfrage aber nicht vollständig kompensieren konnten. Um diese zu stimulieren, setzte die EZB ihre expansive Geldpolitik fort und senkte den Leitzins im Juli 2012 von 1,0 % auf 0,75 %. Insgesamt ging das BIP des Euro-Raums im Jahr 2012 um 0,5 % (2011: +1,4 %) zurück.

Die einzelnen Euro-Länder entwickelten sich sehr unterschiedlich. Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland sowie das spanische Bankensystem haben Rettungspakete in Anspruch genommen. Italien gilt als vom Vertrauensverlust der Investoren bedroht. Für diese Länder wurden ambitionierte Konsolidierungspläne erstellt, die ihr Wachstum nachhaltig belasteten. In diesen sogenannten Peripherieländern herrschte Rezession, in Griechenland ging das BIP sogar um 6,5 % zurück. In Irland und Frankreich stagnierte die Wirtschaft nahezu. Nur wenige Länder, darunter Deutschland und Österreich, konnten sich dem Abwärtssog bislang entziehen. Das wirtschaftliche Wachstum ließ aber auch dort nach.

Die Arbeitslosenquote im Euro-Raum verschlechterte sich im Jahr 2012 und stieg auf einen Rekordwert von knapp 12 %. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten verzeichneten Österreich, die Niederlande und Deutschland, während Spanien und Griechenland mit jeweils über 25 % erneut die höchsten Quoten aufwiesen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland konnte sich von der Euro-Krise und der Abschwächung der Weltwirtschaft nicht abkoppeln und verlangsamte sich im Jahresverlauf. Die verfügbaren Einkommen stiegen zwar an, der private Konsum nahm aber nur moderat zu. Auch Investitionen wurden trotz guter Rahmenbedingungen nur verhalten getätigt. Allerdings konnte die deutsche Wirtschaft die sinkenden Exporte in den Euro-Raum durch verstärkten Handel mit anderen Ländern mehr als ausgleichen. Dazu trug auch der zwischenzeitlich schwache Euro positiv bei. Maßgeblich ist es also dem Außenhandel und der stabilen Lage am Arbeitsmarkt zu verdanken, dass das BIP um 0,7 % (2011: 3,0 %) gewachsen ist.

Auch einige Schwellenländer in Mittel- und Osteuropa, darunter Polen, Estland und die Slowakei, entzogen sich dem europäischen Abwärtstrend. In Ungarn und Tschechien ging das BIP zurück. Insgesamt blieb das Wachstum in der Region jedoch verhalten.

USA

Im Vergleich zu anderen Industrieländern entwickelte sich die Wirtschaft in den USA im Jahr 2012 robust: Das BIP wuchs um 2,2 % (2011: 1,8 %). Die Konjunktur wurde einerseits durch die privaten Konsumausgaben gestützt und andererseits durch die aufgeschobenen Sparmaßnahmen geschont. Hingegen belastete die schwache Nachfrage aus Europa den Außenhandel. Die Euro-Krise und die Gefahr einer „fiskalischen Klippe“ – für den Fall, dass die politischen Parteien sich nicht auf Sparmaßnahmen einigen – schürten die Unsicherheit und dämpften die Investitionsbereitschaft.

Der Immobilienmarkt erholte sich leicht, die Situation am Arbeitsmarkt verbesserte sich hingegen nur langsam. Zwar sank die Arbeitslosenquote auf rund 8 %, die Zahl der Beschäftigten ist aber immer noch deutlich niedriger als vor der Krise im Januar 2008. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ging seit Jahresbeginn nur leicht zurück.

Die US-amerikanische Notenbank Fed hielt an ihrer expansiven Geldpolitik fest und weitete das im September verabschiedete dritte „Quantitative Easing Program“ bereits im Dezember 2012 aus. Sie kündigte an, langfristige Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere mit einem monatlichen Volumen von 85 Mrd US$ aufzukaufen, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 % gesunken ist oder die Inflation auf über 2,5 % steigt. Die daraus zusätzlich gewonnene Liquidität und die niedrigen langfristigen Zinssätze sollen das Wachstum stimulieren.

Asien

Weltweit zeigten die asiatischen Länder auch im Jahr 2012 wieder das stärkste Wachstum: Das BIP stieg in Asien (ohne Japan) um 5,9 % (2011: 7,3 %). Die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens, insbesondere China, profitierten von einem im Vergleich zu den Industrieländern niedrigeren Schuldenstand und folglich weniger dringlichen Sparzwängen.

Experten schätzen, dass Chinas Konjunktur nach zwei Jahren der Wachstumsdrosselung die Talsohle erreicht hat. Der Export wird jedoch nach wie vor erheblich von der Wirtschaftsschwäche in Europa belastet. Privater und öffentlicher Konsum konnten dies nur zum Teil ausgleichen. Um die Wirtschaft zu beleben, wurden fiskalische Maßnahmen ergriffen, z. B . wurden der Leitzins und der Mindestreservesatz gesenkt und es wurde ein umfangreiches Infrastrukturprogramm verabschiedet. Chinas BIP wuchs im Jahr 2012 um 7,7 % (2011: 9,3 %).

In Indien hat sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt. Neben der weltwirtschaftlichen Entwicklung sind dafür Infrastrukturdefizite und überfällige Wirtschaftsreformen verantwortlich. Um die Konjunktur zu stimulieren, hat die indische Regierung im Herbst 2012 verschiedene Maßnahmen beschlossen: Unter anderem lässt sie verstärkt ausländische Investitionen zu, etwa im Lebensmittelsektor. Das Wachstum des BIP verringerte sich auf 4,6 % (2011: 7,9 %).

Japans Konjunktur profitierte im 1. Quartal 2012 noch von den fiskalischen Hilfen für die Provinzen, die von dem Erdbeben im März 2011 betroffen waren. Danach schwächte sich die wirtschaftliche Entwicklung wieder ab. Die Überbewertung des Yen ging zurück, das Umfeld für den Außenhandel blieb jedoch kritisch: Die Exporte waren belastet von der schleppenden Konjunktur der Industrieländer und dem Konflikt mit China um eine Inselgruppe. Eine expansive Fiskalpolitik ließ die bereits sehr hohen Staatsschulden weiter anwachsen. Um gegenzusteuern, beschloss die Regierung im Sommer 2012, die Mehrwertsteuer schrittweise zu erhöhen. Japans BIP stieg im Jahresverlauf um 2,1 % (2011: -0,5 %).

Auch die übrigen asiatischen Länder litten im Jahr 2012 unter dem verlangsamten Wachstum in den USA und Europa. Dank eines hohen Beschäftigungsgrads und eines gesunden privaten und öffentlichen Konsums stieg das BIP dennoch um robuste 3,8 % (2011: 4,3 %).

Lateinamerika

Die Mehrheit der lateinamerikanischen Länder verzeichnete im Jahr 2012 ein solides wirtschaftliches Wachstum. Das BIP der Region wuchs um 2,7 % (2011: 4,3 %). Überdurchschnittlich wuchsen Chile, Kolumbien, Peru und Venezuela.

Brasilien litt im Jahr 2012 unter schwachen Investitionen, bedingt durch anhaltende Infrastrukturprobleme und vergleichsweise hohe Zinsen. Die Regierung beschloss weitreichende stimulierende Maßnahmen und senkte u. a. den Leitzins auf den niedrigsten Wert der vergangenen Jahre. Zudem verabschiedete sie ein Konjunkturpaket in Höhe von etwa 3 % des Bruttoinlandsprodukts, um das Schienen- und Straßennetz zu modernisieren. Diese Maßnahmen dürften sich jedoch erst in den folgenden Jahren stimulierend auswirken. Das BIP wuchs im Jahr 2012 um 0,9 % (2011: 2,7 %).

Nach zwei starken Expansionsjahren schwächte sich das Wirtschaftswachstum in Argentinien deutlich auf 1,0 % im Jahr 2012 ab (2011: 7,0 %). Ursachen waren u. a. das mangelnde Konsumentenvertrauen und das verschlechterte Geschäftsklima. An den Märkten herrschte zudem Unsicherheit über die Rückzahlung argentinischer Staatsanleihen.

Mexiko profitierte von der robusten Entwicklung in den USA und hielt sein BIP-Wachstum mit 3,9 % nahezu auf Vorjahresniveau.



Quellen: Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2012 / 2013, November 2012; Banken-Research
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