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Risiken des operativen Geschäfts

Produktion, Produkte und Dienstleistungen

Die Einhaltung von Produktspezifikationen und Produktionsvorschriften tellen wir durch unsere Qualitätsmanagementsysteme sicher. Diese sind gemäß der international anerkannten Qualitätsnorm ISO 9001 strukturiert und berücksichtigen zahlreiche internationale und nationale Regularien. Sie werden mithilfe von internen Richtlinien wie Qualitätshandbüchern und Verfahrensanweisungen umgesetzt und an Produktionsstandorten, in Vertriebsgesellschaften und Dialysekliniken durch regelmäßige interne und externe Audits überprüft. Dies betrifft die Einhaltung aller Anforderungen und Vorschriften von der Leitung und Verwaltung über die Produktherstellung und die klinischen Dienstleistungen bis hin zur Patientenzufriedenheit. Unsere Produktionsstätten erfüllen die „Good Manufacturing Practice“des jeweiligen belieferten Marktes. Sie werden von der FDA und anderen Behörden genehmigt und überwacht. Werden Mängel festgestellt bzw. kommt es zu Beanstandungen, wird das Unternehmen aufgefordert, diese umgehend zu beheben, wie etwa im Rahmen der Inspektionen unserer US-Produktionsanlage in Grand Island oder unserer Produktionsstätte in Kalyani, Indien.

Das Nichteinhalten der Vorgaben der Aufsichtsbehörden in unseren Produktionsstätten oder bei unseren Lieferanten könnte zu regulatorischen Maßnahmen führen, u. a. zu Abmahnungen, Produktrückrufen, Produktionsunterbrechungen, Geldstrafen oder zu Verzögerungen bei der Zulassung neuer Produkte. Jede dieser regulatorischen Maßnahmen könnte unsere Fähigkeit beeinträchtigen, Umsatz zu generieren sowie erhebliche Kosten mit sich bringen.

Möglichen Risiken bei der Inbetriebnahme neuer Produktionsstätten oder neuer Technologien begegnen wir, indem wir Projekte sorgfältig planen und deren Fortschritt regelmäßig analysieren und überprüfen. Ein weiteres Risiko besteht in mangelnder Qualität fremdbezogener Rohstoffe, Halbfertigprodukte und Bauteile. Dem begegnen wir im Wesentlichen mit präzisen Qualitätsanforderungen an unsere Lieferanten. Hierzu gehören neben einem strukturierten Qualifizierungsprozess, der Audits, Dokumentenprüfung und Vorabmusterprüfung umfasst, regelmäßige Qualitätskontrollen der Anlieferungen. Wir beziehen ausschließlich qualitativ hochwertige Produkte, deren Sicherheit und Eignung erwiesen ist, von qualifizierten Lieferanten, die unseren Spezifikationen und Anforderungen entsprechen.

In unseren Krankenhäusern, Fachkliniken und Dialysekliniken erbringen wir medizinische Leistungen, die grundsätzlich Risiken unterliegen. Daneben bestehen Betriebsrisiken, z. B. infolge hoher Hygieneanforderungen. Diesen Risiken begegnen wir, indem wir Abläufe strukturiert organisieren, Mitarbeiter kontinuierlich schulen und unsere Arbeitsweise an den Bedürfnissen der Patienten ausrichten. Darüber hinaus arbeiten wir im Rahmen von Qualitätsmanagementsystemen kontinuierlich daran, die Behandlung der Patienten zu verbessern.

Weitere Risiken ergeben sich aus zunehmendem Preisdruck auf unsere Produkte und aus möglichen Preiserhöhungen auf der Beschaffungsseite. Im Rahmen des Medicare-Pauschalvergütungssystems ist die Erstattung für Erythropoietin-stimulierende Substanzen (ESA) im gebündelten Erstattungssatz enthalten. Vorher wurden die Kosten für ESA separat erstattet. Eine Lieferunterbrechung von ESA, ein wesentlicher Anstieg in der Verwendung von ESA oder der Anschaffungskosten für ESA könnten Umsatz und Ergebnis erheblich beeinträchtigen.

Ein verschärfter Wettbewerb könnte sich nachteilig auf die Preisgestaltung und den Verkauf unserer Produkte und Dienstleistungen auswirken. Die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen von Wettbewerbern könnten Produkte und Dienstleistungen von Fresenius weniger wettbewerbsfähig oder sogar überflüssig machen. Besonders nachteilig könnte sich dies auf Dialysemedikamente der Fresenius Medical Care auswirken, da für diese zum Teil bis Ende des Jahres 2013 jährliche Mindestlizenzzahlungen zu leisten sind, die unabhängig von den jährlichen Umsätzen der Gesellschaft mit den lizenzierten Produkten anfallen. Danach muss die Gesellschaft jedes Jahr den Mindesteinkaufsbedarf für das folgende Jahr bestimmen.

Im Beschaffungssektor ergeben sich mögliche Risiken hauptsächlich aus Preissteigerungen oder der mangelnden Verfügbarkeit von Rohstoffen und Gütern. Dem begegnen wir mit einer entsprechenden Auswahl und Kooperation mit unseren Lieferanten, mit längerfristigen Rahmenverträgen in bestimmten Einkaufssegmenten sowie mit Bündelung der zu beschaffenden Mengen im Konzern.

Insgesamt ist der Gesundheitssektor durch Preisdruck, Wettbewerb und Kosteneinsparungen gekennzeichnet. Dies könnte geringere Umsätze zur Folge haben und sich nachteilig auf unser Geschäft, unsere Finanz- und Ertragslage auswirken.

Risiken, die mit dem Engineering- und Krankenhaus-Dienstleistungsgeschäft verbunden sind, begegnen wir mit professioneller Projektsteuerung, kompetentem Projektmanagement und mit einem ausgereiften und der jeweiligen Geschäftstätigkeit angepassten System zur Erkennung, Bewertung und Minimierung dieser Risiken. Dieses umfasst zum einen organisatorische Maßnahmen: So gelten schon bei der Erstellung eines Angebots Standards für die Risikokalkulation, noch vor Auftragsannahme werden Risiken eingeschätzt und anschließend im Rahmen des Projektcontrollings fortlaufend aktualisiert. Zum anderen besteht das System aus finanztechnischen Maßnahmen wie Bonitätsprüfungen, Sicherung durch Vorauszahlungen, Akkreditiven und besicherten Krediten.

Unsere Geschäftstätigkeit unterliegt strengen staatlichen Regulierungen und Kontrollen. Wir müssen Vorschriften und Auflagen zur Sicherheit und Wirksamkeit medizinischer Produkte und Dienstleistungen einhalten. Deshalb legen wir besonderen Wert auf die strikte Umsetzung unserer Compliance-Programme und Richtlinien. Sie helfen uns, den eigenen Erwartungen wie auch denen unserer Partner zu entsprechen und unsere Geschäftsaktivitäten an anerkannten Standards sowie lokalen Gesetzen und Verordnungen auszurichten.

Verantwortlich für die Entwicklung und die Umsetzung dieser Richtlinien und Vorgehensweisen ist der Chief Compliance Officer (Vorstand Recht, Compliance und Personal) dem die Stabsstelle Compliance unterstellt ist. Außerdem verfügt jeder Unternehmensbereich über einen eigenen Compliance Officer. Dieser wird je nach Organisations- und Geschäftsstruktur durch weitere Compliance-Beauftragte unterstützt. Die Mitarbeiter der Corporate-Compliance-Abteilungen unterstützen die Compliance-Beauftragten der Unternehmensbereiche, Regionen und Länder.

Mit unseren Compliance-Programmen setzen wir verbindliche Vorgaben für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir gehen davon aus, dass wir ausreichend Vorsorge getroffen haben, dass die nationalen und internationalen Regeln beachtet und eingehalten werden.

Forschung und Entwicklung

Bei der Entwicklung neuer Produkte und Therapien besteht grundsätzlich das Risiko, dass Ziele nicht oder verspätet erreicht werden. Bis zur Zulassung eines Produkts sind kostenintensive und umfangreiche präklinische Prüfungen und klinische Studien notwendig. Da wir Produkte für unterschiedliche Produktsegmente entwickeln, sind diese Risiken im Fresenius-Konzern breit gestreut. Risiken aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten begegnen wir, indem wir die Entwicklungstrends kontinuierlich analysieren und evaluieren sowie die Projektfortschritte überprüfen. Zugleich überwachen wir die strikte Einhaltung gesetzlicher Vorgaben für die klinische und chemisch-pharmazeutische Forschung und Entwicklung. Bei I.V.-Arzneimitteln ist es darüber hinaus entscheidend, dass rechtzeitig und stetig neue Produkte eingeführt werden. Daher überwachen wir die Entwicklung dieser Produkte anhand detaillierter Projektpläne und orientieren uns strikt an Erfolgsfristen. So können wir Gegenmaßnahmen ergreifen, falls wir die geplanten Ziele infrage stellen müssen.

Risiken aus Akquisitionen

Die Übernahme und Integration anderer Unternehmen birgt Risiken, die sich nachteilig auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Fresenius auswirken können. Die Strukturen eines erworbenen Unternehmens müssen integriert, rechtliche und vertragliche Fragen gelöst, das Marketing, der Service für Patienten sowie logistische Abläufe vereinheitlicht werden. Dabei besteht das Risiko, wesentliche Führungskräfte zu verlieren. Auch der Geschäftsablauf sowie die Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Mitarbeitern könnten in Mitleidenschaft gezogen oder Change-of-Control-Klauseln in Anspruch genommen werden. Der Integrationsprozess erweist sich möglicherweise als schwieriger oder kostet mehr Zeit und Mittel als erwartet. In der Geschäftstätigkeit neu erworbener Gesellschaften könnten Risiken auftreten, die Fresenius nicht erkannt oder als nicht wesentlich erachtet hat. Vorteile, die Fresenius sich von dem Erwerb versprochen hat, treffen gegebenenfalls nicht oder nicht im erwarteten Maße ein. Künftige Akquisitionen könnten eine Herausforderung für die Finanzierung und das Management unseres Geschäfts darstellen. Ferner kann der Erwerb von Unternehmen zur Folge haben, dass Fresenius gegenüber Dritten direkt oder mittelbar in Haftung genommen wird oder Ansprüche gegenüber Dritten sich als nicht durchsetzbar erweisen.

Die im Jahr 2008 von Fresenius übernommene Gesellschaft APP Pharmaceuticals (jetzt Fresenius Kabi USA) haftet gegenüber der von ihr im Jahr 2007 abgespalteten Gesellschaft Abraxis BioScience, Inc. für Geschäftsvorfälle vor der Abspaltung, die sich im Rahmen des bei der heutigen Fresenius Kabi USA verbliebenen Geschäfts ereignet haben. Im Gegenzug stellt Abraxis BioScience die Fresenius Kabi USA frei von Ansprüchen, die sich auf Sachverhalte im Geschäftsfeld der heutigen Abraxis BioScience vor der Abspaltung beziehen. Inwieweit Abraxis BioScience solche potenziellen Ansprüche zukünftig wird befriedigen können, lässt sich nicht vorhersehen.

Risiken aus Akquisitionen begegnen wir mit detaillierten Integrationsplänen sowie mit einem dezidierten Integrations- und Projektmanagement, um bei Abweichungen von der erwarteten Entwicklung frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Personalrisiken

Dem potenziellen Mangel an qualifiziertem Personal wirkt Fresenius extern durch geeignete Maßnahmen im Personalmarketing entgegen und intern durch umfangreiche Personalentwicklungsprogramme. Wir stärken die Bindung an unser Unternehmen, indem wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Sozialleistungen, zum Teil Erfolgsbeteiligungsprogramme oder in verschiedenen Bereichen die Einrichtung von Langzeitkonten anbieten. Dem generellen Mangel an Klinikfachpersonal begegnen wir mit zielgruppenspezifischen Maßnahmen. So gewinnen wir qualifiziertes und motiviertes Fachpersonal und sichern den hohen Qualitätsstandard in der Behandlung. Gleichzeitig sollen junge Mitarbeiter qualifiziert und an das Unternehmen gebunden werden. Aufgrund all dieser Maßnahmen werden die Risiken im Bereich Personalmarketing als nicht wesentlich eingestuft.

Finanzrisiken

Aus unserer internationalen Ausrichtung ergeben sich vielfältige Fremdwährungsrisiken. Die Finanzierung der Geschäftstätigkeit setzt uns darüber hinaus verschiedenen Zinsänderungsrisiken aus. Um diese Risiken zu begrenzen, setzen wir im Rahmen unseres Risikomanagements u. a. derivative Finanzinstrumente ein. Wir beschränken uns auf marktgängige, außerbörslich gehandelte Instrumente und nutzen sie ausschließlich zur Sicherung von Grundgeschäften, nicht aber zu Handels- oder Spekulationszwecken. Alle Transaktionen erfolgen mit Banken mit einem hohen Rating.

Unser Währungsmanagement erfolgt auf der Grundlage einer vom Vorstand verabschiedeten Richtlinie. Sie legt Ziele, Organisation und Ablauf der Risikomanagementprozesse fest und definiert insbesondere, wer für die Ermittlung von Risiken, den Abschluss von Sicherungsgeschäften und die regelmäßige Berichterstattung über das Risikomanagement verantwortlich ist. Die Verantwortlichkeiten entsprechen den Entscheidungsstrukturen in den übrigen Geschäftsprozessen des Konzerns. Entscheidungen über den Einsatz derivativer Finanzinstrumente im Zinsmanagement fallen grundsätzlich in enger Abstimmung mit dem Vorstand. Bis auf vereinzelte devisenrechtlich bedingte Ausnahmen werden die Geschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten unter Kontrolle der zentralen Treasury-Abteilung des Fresenius-Konzerns getätigt und unterliegen strenger interner Aufsicht. So ist sichergestellt, dass der Vorstand über alle wesentlichen Risiken und über die bestehenden Sicherungsgeschäfte stets umfassend informiert ist.

Grundsätzlich ist der Fresenius-Konzern im Hinblick sowohl auf Währungs- als auch Zinsrisiken in hohem Maße gesichert: Von den Finanzverbindlichkeiten des Fresenius-Konzerns zum 31. Dezember 2012 sind rund 69 % durch Festsatzfinanzierungen bzw. durch Zinssicherungen gegen einen Zinsanstieg geschützt, sodass lediglich rund 31 % bzw. 3.414 Mio € einem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt, dass ein Anstieg der für Fresenius relevanten Referenzzinsen um 0,5 % einen Einfluss auf das Konzernergebnis von weniger als 1 % hätte.

Fresenius unterliegt als international tätiger Konzern in hohem Maße Währungsumrechnungseffekten aufgrund sich ändernder Währungsrelationen. Angesichts des starken US-Geschäfts spielt das Verhältnis von US-Dollar zu Euro dabei eine besondere Rolle. Währungsumrechnungsrisiken werden nicht gesichert. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt, dass eine US-Dollar-Euro-Veränderung von 1 Cent einen jährlichen Effekt von etwa 65 Mio € auf den Konzernumsatz und von rund 3 Mio € auf das Konzernergebnis hätte.

Als weltweit agierendes Unternehmen verfügen wir über Produktionskapazitäten in allen wesentlichen Währungsräumen. In den Servicegeschäften decken sich unsere Umsatzund unsere Kostenbasis in hohem Maße. Mit einem Cashflowat-Risk-Modell schätzen wir die Transaktionsrisiken in fremder Währung ab und quantifizieren sie. Als Basis der Analyse des Währungsrisikos dienen dabei die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eintretenden Fremdwährungszahlungsströme der nächsten zwölf Monate abzüglich der getätigten Absicherungen. Zum 31. Dezember 2012 beträgt der Cashflow-at-Risk des Fresenius-Konzerns 43 Mio €. Das heißt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % wird ein möglicher Verlust aus den Fremdwährungszahlungsströmen der nächsten zwölf Monate nicht höher als 43 Mio € ausfallen. Weitere Informationen zu den Finanzrisiken finden Sie im Konzern-Anhang.

Finanzwirtschaftliche Risiken, die aus Akquisitionen und Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenwerte resultieren könnten, prüfen wir unter Einbeziehung externer Berater sorgfältig und detailliert. Ferner stellen wir in jährlichen Impairment-Tests die Werthaltigkeit der in der Konzernbilanz enthaltenen Firmenwerte sowie der sonstigen immateriellen Vermögenswerte mit unbestimmbarer Nutzungsdauer fest. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Konzern-Anhang.

Um das Risiko von Zahlungsverzögerungen bzw. -ausfällen zu begrenzen, bewerten wir in der Regel die Kreditwürdigkeit von Neukunden. Zudem führen wir kontinuierlich Nachfolgebewertungen und Prüfungen der Kreditlimits durch. Wir überwachen Außenstände bestehender Kunden und bewerten das Ausfallrisiko der Forderungen. Dies gilt insbesondere in Ländern mit Haushaltsproblemen. Durch Maßnahmen wie z. B. Factoring oder Verkauf über Distributoren haben wir auch im Jahr 2012 an unserem Forderungsbestand gearbeitet.

Als weltweit tätiger Konzern unterliegt Fresenius zahlreichen steuerlichen Gesetzen und Regelungen. In den Gesellschaften des Fresenius-Konzerns finden regelmäßige steuerliche Betriebsprüfungen statt. Änderungen bei den steuerlichen Regelungen und Anpassungen, die sich aus den Betriebsprüfungen ergeben, können zu höheren Steuerzahlungen führen. Informationen zum Stand der steuerlichen Betriebsprüfungen finden Sie im Konzern-Anhang.

Zum 31. Dezember 2012 betrugen die Finanzverbindlichkeiten des Fresenius-Konzerns 11.028 Mio €. Die Verschuldung könnte die Fähigkeit zur Zahlung von Dividenden, die Refinanzierung und die Einhaltung von Kreditklauseln oder die Umsetzung der Geschäftsstrategie beeinträchtigen. Im Falle einer anhaltend schwierigen Lage auf den Finanzmärkten könnten sich Finanzierungsrisiken für Fresenius ergeben. Diese Risiken reduzieren wir durch einen hohen Anteil an mittel- und langfristigen Finanzierungen mit einem ausgewogenen Fälligkeitsprofil. Ferner beinhalten unsere Finanzierungsvereinbarungen Auflagen, nach denen wir zur Einhaltung bestimmter finanzieller Kennzahlen sowie weiterer finanzieller Kriterien verpflichtet sind. Die Nichteinhaltung dieser Auflagen könnte zu einer Verpflichtung zur vorzeitigen Rückzahlung der Finanzverbindlichkeiten führen.

Über Konditionen und Fälligkeiten informiert Sie die Darstellung im Konzern-Anhang sowie im Lagebericht.

Staatliche Erstattungszahlungen

Die Geschäftstätigkeit von Fresenius unterliegt in nahezu allen Ländern umfassenden staatlichen Regulierungen. Davon sind wir insbesondere in den USA und in Deutschland betroffen. Darüber hinaus hat Fresenius weitere allgemein anwendbare Rechtsvorschriften zu beachten, die sich von Land zu Land unterscheiden. Sollte Fresenius gegen diese Gesetze oder Vorschriften verstoßen, kann dies vielfältige Rechtsfolgen nach sich ziehen.

Der Fresenius-Konzern erzielt einen wesentlichen Teil seines Umsatzes mit staatlichen Erstattungen, z. B. für Dialysedienstleistungen. So erzielte Fresenius Medical Care im Jahr 2012 rund 32 % ihres Umsatzes durch Gesundheitsprogramme der US-Regierung, z.B. die Medicare- und Medicaid- Programme. Zum 1. Januar 2011 wurde ein neues Pauschalvergütungssystem (PVS) für die Dialyse staatlich versicherter Patienten (Medicare) eingeführt. Danach werden alle Produkte und Dienstleistungen, die bislang gemäß dem Basiserstattungssatz vergütet wurden und separat erstattete Leistungen, wie die Verabreichung bestimmter Medikamente und die Durchführung von diagnostischen Labortests, mit einem Pauschalsatz erstattet. Seit dem Jahr 2012 erfolgt eine jährliche Inflationsanpassung des PVS-Erstattungssatzes. Grundlage dafür ist der Anstieg der Kosten eines „Warenkorbs“ aus bestimmten Produkten und Dienstleistungen des Gesundheitswesens abzüglich einer Produktivitätsanpassung. Der Erstattungssatz wird für das Jahr 2013 um 2,3 % erhöht.

Aufgrund des „American Taxpayer Relief Act of 2012“- Gesetz („American Taxpayer Relief Act“) treten am 1. März 2013 automatische Ausgabenkürzungen in Kraft, es sei denn, das Gesetz wird weiter geändert. Zahlungen von Medicare an Dienstleister und Anbieter wären von diesen Ausgabenkürzungen betroffen, diese wären aber auf 2 % insgesamt begrenzt und unabhängig von der jährlichen Inflationsanpassung.

Nach dem American Taxpayer Relief Act sind die Centers of Medicare and Medicaid Services (CMS) auch gesetzlich verpflichtet, den PVS-Erstattungssatz mit Wirkung vom 1. Januar 2014 zu senken, um Änderungen bei der Verwendung bestimmter Medikamente und Biopharmazeutika, die im PVS enthalten sind, zu berücksichtigen. Bei der Kürzung des PVS-Erstattungssatzes verlangt das Gesetz von den CMS, die neuesten verfügbaren Preisdaten dieser Medikamente und Biopharmazeutika zu verwenden. Es wird erwartet, dass die CMS im Frühjahr oder Frühsommer 2013 dazu einen Vorschlag mit Berechnungen veröffentlicht, dem später im Jahr eine endgültige Vorschrift folgen wird.

Des Weiteren wird erwartet, dass Medikamente, die nur in oral zu verabreichender Form vorliegen, im Rahmen des PVS ab Januar 2016 mit einem angepassten Vergütungsbetrag erstattet werden, der vom Gesundheitsministerium unter Berücksichtigung der in den Dialysekliniken für die Verabreichung dieser Medikamente zusätzlich anfallenden Kosten festgelegt wird.

Zudem unterliegt der Erstattungsbetrag einem Qualitätsanreizprogramm, bei dem die vollständige Zahlung der Erstattungsrate an eine Dialyseklinik vom Erreichen bestimmter Mindestanforderungen abhängt. Sollten diese Mindestanforderungen des Qualitätsanreizprogramms in größerem Ausmaß verfehlt werden, könnte dies Umsatzerlöse und Ergebnis beeinträchtigen.

Etwaige signifikante Verringerungen der Medicare-Erstattungssätze könnten wesentliche negative Auswirkungen auf das Dienstleistungsgeschäft der Fresenius Medical Care in den USA sowie auf ihr dortiges Produktgeschäft haben, da sich die Medicare-Erstattungen auch auf die Nachfrage nach Produkten auswirken.

Im Jahr 2013 wird in den USA eine Umsatzsteuer in Höhe von 2,3 % auf Umsätze der Hersteller von medizinischen Geräten erhoben, die sich auf das Produktgeschäft von Fresenius negativ auswirken wird.

Änderungen der Gesetzgebung bzw. der Erstattungspraxis könnten den Umfang der Erstattungen für Dienstleistungen wie auch den Umfang des Versicherungsschutzes beeinflussen. Dies könnte erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von Fresenius sowie auf unsere Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben.

Rechtsrisiken

Risiken, die sich im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten ergeben, werden innerhalb des Unternehmens fortlaufend identifiziert, bewertet und kommuniziert. Unternehmen in der Gesundheitsbranche sind regelmäßig Klagen wegen Sorgfaltspflichtverletzungen, Produkthaftung, Verletzung ihrer Gewährleistungspflichten, Patentverletzungen, Behandlungsfehlern und anderen Ansprüchen ausgesetzt. Diese können Schadenersatzforderungen und Kosten für die Rechtsverteidigung mit sich bringen, unabhängig davon, ob letztlich ein Schadenersatzanspruch besteht. Klageverfahren können ferner dazu führen, dass Risiken dieser Art zukünftig nicht mehr zu angemessenen Bedingungen versichert werden können. Produkte aus der Gesundheitsbranche können zudem Rückrufaktionen und Patentverletzungsklagen unterliegen.

Im Jahr 2003 wurde ein zur endgültigen Beilegung der Gläubiger-
anfechtungsforderungen sowie aller weiteren sich aus dem Insolvenzverfahren von W.R. Grace & Co. ergebenden Rechtsangelegenheiten im Zusammenhang mit der National Medical Care-Transaktion des Jahres 1996 ein Vergleich geschlossen. Nachdem der W.R. Grace & Co.-Reorganisations- und Sanierungsplan bestätigt wurde, wird Fresenius Medical Care gemäß der Vergleichsvereinbarung insgesamt 115 Mio US$ ohne Zinsen an die W.R. Grace & Co.-Konkursmasse bzw. an eine andere, vom Gericht festgelegte Stelle zahlen. Die Vergleichsvereinbarung wurde vom US-Konkursgericht genehmigt. Im Januar und Februar 2011 hat das US-Konkursgericht die Bestätigung des Reorganisations- und Sanierungsplans angeordnet. Diese Bestätigungsanordnungen wurden von dem zuständigen US-Bezirksgericht für den Distrikt von Delaware am 31. Januar 2012 bestätigt. Mehrere Parteien haben beim Berufungsgericht für den Third Circuit Berufung eingelegt und der Reorganisations- und Sanierungsplan wird bis zur endgültigen Entscheidung über die Berufungsverfahren nicht umgesetzt werden.

Renal Care Group, Inc. könnte möglichen Freistellungsansprüchen früherer Mitglieder des Board of Directors ausgesetzt sein. Diese sind Beklagte in einem Sammelklageverfahren, in dem ehemalige Aktionäre dieser Gesellschaft Schadenersatz verlangen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Nashville Chancery Court hat sich der Kläger damit einverstanden erklärt, die Klage mit präjudizieller Wirkung gegenüber dem Kläger und sämtlichen anderen Sammelklägern im Gegenzug zu einer Zahlung zurückzuziehen, deren Höhe für die Gesellschaft als nicht wesentlich anzusehen ist.

Weitere Angaben zu rechtlichen Verfahren, insbesondere zu wesentlichen Patentstreitigkeiten, finden Sie im Konzern-Anhang.

Darüber hinaus ist der Fresenius-Konzern in verschiedene Rechtsstreitigkeiten involviert, die sich aus seiner Geschäftstätigkeit ergeben. Obwohl sich deren Ausgang nicht vorhersagen lässt, erwarten wir aus den derzeit anhängigen Verfahren keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Sonstige Risiken

Risiken sonstiger Art, z. B. Umweltrisiken, Risiken aus Steuerungs- und Controllingsystemen oder im Bereich unserer Informationstechnologiesysteme, stufen wir als nicht wesentlich ein. So begegnet Fresenius Risiken im Bereich der Informationstechnologie mit Sicherungsmaßnahmen, Kontrollen und Prüfungen. Zudem investieren wir kontinuierlich in Hard- und Software und verbessern stetig unser System-Know-how. Dazu kommt ein detaillierter Notfallplan, den wir laufend verbessern und testen. Wesentliche IT-Systeme oder Kommunikations-
infrastrukturen halten wir redundant vor. Um organisatorische Risiken, wie Manipulationen oder unzulässige Zugriffe, zu minimieren, haben wir einen Zugriffsschutz durch Passwörter eingerichtet. Darüber hinaus sind Unternehmensrichtlinien zu beachten, die auch die Berechtigungsvergabe regeln und deren Einhaltung wir kontrollieren. Daneben führen wir operative und sicherheitsbezogene Prüfungen durch.

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