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Gesundheitssektor und Märkte

Der Gesundheitssektor zählt nach wie vor zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen und gilt als weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Die Nachfrage insbesondere nach lebensrettenden und lebenserhaltenden Produkten und Dienstleistungen wird aufgrund ihrer medizinischen Notwendigkeit und der Alterung der Gesellschaft weiter steigen.

Gemeinhin wird erwartet, dass staatliche Finanzierungsengpässe einen höheren Preisdruck erzeugen und damit das Umsatzwachstum der im Gesundheitsmarkt tätigen Unternehmen verringern könnten. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Staatsschuldenkrise zeigen sich in einigen Ländern, z. B. Griechenland, erhebliche Finanzierungsprobleme im Bereich der Gesundheitsversorgung. Insbesondere in den Industrieländern ist ein zunehmender Spardruck zu erwarten, da die Gesundheitsausgaben einen hohen Anteil an ihren Staatshaushalten ausmachen.

Trotz aller Herausforderungen erwarten Branchenbeobachter, dass sich der Gesundheitssektor in nächster Zeit insgesamt vergleichsweise solide entwickeln wird. Der demografische Wandel, der medizinische Fortschritt und die große Zahl schwer oder nicht heilbarer Erkrankungen dürften zu weiterem Wachstum beitragen.

Darüber hinaus ist mit weiteren Zuwachsraten in den Schwellenländern zu rechnen: Der Bedarf an einer breiteren medizinischen Basisversorgung steigt dort ebenso wie die Nachfrage nach hochwertigen Therapien. Dazu kommt: Je höher das Pro-Kopf-Einkommen steigt und damit die Ansprüche an einen modernen Lebensstil, desto häufiger treten Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes, aber auch Krebs auf.

Für Unternehmen im Gesundheitssektor wird es zudem eine immer wichtigere Rolle spielen, inwieweit sie fähig sind, den Nutzen für die Patienten zu erhöhen, die Behandlungsqualität zu verbessern und Präventionsmaßnahmen anzubieten.

Quelle:Internationaler Währungsfonds (IWF) 2012


DER DIALYSEMARKT

Wir erwarten, dass im Jahr 2013 die Zahl der Dialysepatienten weltweit um etwa 6 % zunehmen wird. Die zum Teil erheblichen regionalen Unterschiede dürften bestehen bleiben: Angesichts der bereits relativ hohen Prävalenz in den USA, Japan sowie Mittel- und Westeuropa rechnen wir dort mit einem Anstieg der Patientenzahlen um etwa 2 bis 4 %. In ökonomisch schwächeren Regionen liegen die Zuwachsraten noch deutlich höher – bei bis zu 10 % –, in einzelnen Ländern sogar darüber. Wir erwarten, dass in Zukunft ein höherer Anteil der Dialysepatienten in Asien, Lateinamerika, Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika behandelt wird. Die Tatsache, dass mehr als 80 % der Weltbevölkerung in diesen Regionen lebt, macht deutlich, wie groß das Potenzial für das gesamte Spektrum der Dialysebehandlung und -produkte ist.

Nicht zuletzt tragen demografische Faktoren dazu bei, dass die Dialysemärkte weiter wachsen, etwa die alternde Gesellschaft und die steigende Zahl von Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck. Dies sind Erkrankungen, die dem terminalen Nierenversagen oft vorausgehen. Zudem steigt die Lebenserwartung von Dialysepatienten, da sich sowohl die Behandlungsqualität als auch der Lebensstandard in den Entwicklungsländern stetig verbessert.

Das Volumen des globalen Dialysemarktes, das im Jahr 2012 nach vorläufigen Schätzungen etwa 75 Mrd US$ betrug, sollte nach unseren Erwartungen jährlich um etwa 4 % wachsen, unveränderte Wechselkursrelationen vorausgesetzt. Damit könnte sich der Gesamtmarkt bis zum Jahr 2013 auf etwa 78 Mrd US$ belaufen.

Im Januar 2011 wurde in unserem größten Absatzmarkt – den USA – ein neues Vergütungssystem für staatlich versicherte Dialysepatienten eingeführt. Produkte und Dienstleistungen, die bislang gemäß dem Basiserstattungssatz vergütet wurden, sowie separat erstattete Leistungen, wie die Verabreichung bestimmter Medikamente und die Durchführung diagnostischer Labortests, werden seither mit einem Pauschalsatz erstattet. Dieser Pauschalsatz wird an individuelle Patientenmerkmale, z. B. Alter und Gewicht, angepasst, gilt aber auch für Patienten, deren medizinisch notwendige Versorgung außergewöhnlich aufwendig und damit kostenintensiv ist. Ein weiteres Merkmal des neuen Erstattungssystems ist die Orientierung an bestimmten Qualitätsparametern, wie der Steuerung des Hämoglobingehalts des Blutes und des Mineralstoffwechsels der Knochen.

Ab dem Jahr 2012 wurde der Erstattungssatz jährlich an die Inflationsentwicklung angepasst. Für das Jahr 2013 liegt die Erhöhung bei 2,3 %.

Aufgrund des „American Taxpayer Relief Act of 2012“-Gesetzes treten am 1. März 2013 automatische Ausgabenkürzungen in Kraft („Sequestration“), es sei denn, das Gesetz wird weiter geändert. Zahlungen von Medicare an Dienstleister und Anbieter wären von diesen Ausgabenkürzungen betroffen, diese wären aber auf 2 % insgesamt begrenzt und unabhängig von der jährlichen Inflationsanpassung.

Im Jahr 2013 wird in den USA eine Umsatzsteuer in Höhe von 2,3 % auf Umsätze der Hersteller von medizinischen Geräten erhoben, die sich auf das Produktgeschäft von Fresenius negativ auswirken wird.

Im Jahr 2014 könnte eine Anpassung des Basiserstattungssatzes vorgenommen werden, um einer möglicherweise veränderten Anwendung von Medikamenten bei der Dialyse Rechnung zu tragen. Zusätzlich sollen ab dem Jahr 2016 bestimmte oral zu verabreichende Medikamente in das Pauschalvergütungssystem einbezogen werden.

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Lagebericht.

Quelle:Eigene Erhebung


DER MARKT FÜR INFUSIONS- UND ERNÄHRUNGSTHERAPIEN, GENERISCHE I.V.-ARZNEIMITTEL UND MEDIZINTECHNISCHE PRODUKTE SOWIE TRANSFUSIONSTECHNOLOGIE

Der Markt für Infusionstherapien sollte in den kommenden Jahren in Europa im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen. Für den Markt der klinischen Ernährung erwarten wir hier ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Allerdings setzen sich Bestrebungen zur Kosteneinsparung im Gesundheitswesen angesichts der Finanzsituation der Länder unvermindert fort. Erhebliche Wachstumspotenziale eröffnen uns nach wie vor die Regionen Asien-Pazifik, Lateinamerika und Afrika. Dort erwarten wir ein Marktwachstum im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.

Angesichts der finanziellen Herausforderungen im Gesundheitswesen erwarten wir, dass kostengünstige Generika künftig noch häufiger als bisher eingesetzt werden, um eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Bei generischen I.V.-Arzneimitteln wird die Wachstumsdynamik auch weiterhin durch den Ablauf des Patentschutzes von Originalpräparaten getrieben. Gegenläufig wirkt sich aus, dass die Preise für bereits im Markt befindliche Produkte zurückgehen. Wir gehen davon aus, dass der Markt für generische I.V.-Arzneimittel in Europa und den USA im Jahr 2013 im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen wird.

Der Markt für medizintechnische Produkte, die verwendet werden, um Infusionstherapien, I.V.-Arzneimittel und klinische Ernährung zu verabreichen, dürfte im Jahr 2013 weltweit um Raten im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen.

Der weltweite Markt für Transfusionstechnologie sollte insgesamt zwischen 4 und 6 % jährlich wachsen.

DER DEUTSCHE KRANKENHAUSMARKT

Die jährliche Veränderung der Kostenerstattungssätze erfolgt im Jahr 2013 erstmalig auf Basis des sogenannten Orientierungswertes. Dieser Wert gibt an, wie sich die durchschnittlichen Krankenhauskosten pro Jahr prozentual verändern, und löst die Veränderungsrate der vergangenen Jahre ab. Die Veränderungsrate gab wieder, wie sich die beitragspflichtigen Einnahmen aller gesetzlich Versicherten entwickelten. Der Orientierungswert beträgt im Jahr 2013 2,0 % und übersteigt damit die Veränderungsrate der vergangenen Jahre (2012: 1,48 %).

Hinsichtlich der Erstattung vereinbarter Mehrleistungen gehen wir trotz geänderter Gesetzeslage von keinen signifikanten Veränderungen für das Jahr 2013 aus.

Die höheren Erlöse können voraussichtlich nicht alle erwarteten Kostensteigerungen in den Krankenhäusern abdecken – insbesondere nicht die Personalkosten, die aufgrund von Tariferhöhungen gestiegen sind. Der Kostendruck und die Notwendigkeit weiterer Einsparungen im Krankenhausbetrieb bleiben bestehen.

In Deutschland werden seit Beginn des Jahres 2010 akutstationäre Krankenhausleistungen ausschließlich auf Basis der Landesbasisfallwerte (DRG-System) abgerechnet. In einem Zeitraum von fünf Jahren, beginnend im Jahr 2010, werden die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte schrittweise an einen einheitlichen bundesweiten Basisfallwertkorridor angenähert. Aufgrund der guten Fallzahlentwicklung sowie der bereits abgeschlossenen Konvergenzphase erwarten wir jedoch keine grundlegenden Veränderungen in der Finanzierung unserer Leistungen.

Der steigende Bedarf an Investitionsmitteln bei gleichzeitiger Reduzierung der Fördermittel erhöht den Druck auf die Krankenhäuser, Rationalisierungspotenziale konsequent auszuschöpfen. Insbesondere für Einrichtungen der öffentlichen Hand stellt es eine Herausforderung dar, Investitionen zu finanzieren. Der Grund dafür ist die weiterhin angespannte Finanzlage der Kommunen, die in der Vergangenheit häufig für Fehlbeträge aus dem laufenden Geschäftsbetrieb ihrer Krankenhäuser aufgekommen sind und deren Investitionen mitgetragen haben. Die finanziellen Möglichkeiten, defizitäre Krankenhäuser zu unterstützen und in öffentliche Gesundheitseinrichtungen zu investieren, bleiben eingeschränkt.

Eine Zunahme des Anteils privater Krankenhäuser zulasten öffentlicher Einrichtungen ist daher grundsätzlich zu erwarten. Private Krankenhausketten und große Klinikverbünde können dem Druck zu mehr Wirtschaftlichkeit tendenziell besser begegnen als öffentliche Einrichtungen. Sie verfügen oft über mehr Erfahrung, was wirtschaftlich orientiertes Handeln betrifft, sowie über effizientere Strukturen und die Möglichkeit, Kostenvorteile im Einkauf zu erzielen. Auch haben private Träger meist mehr Erfahrung im Prozess-Know-how bei der Akquisition und Integration neuer Kliniken sowie einer raschen Anpassung ihrer Kostenstrukturen. Wir gehen daher auch künftig von weiteren Privatisierungen und Konsolidierungen im deutschen Krankenhaussektor aus.

Die Zukunftserwartungen der Krankenhäuser hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Lage fallen für das Jahr 2013 eher pessimistisch aus. Im Rahmen der Umfrage „Krankenhaus-Barometer 2012“ des Deutschen Krankenhaus Instituts erwarten nur 22 % der Häuser eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation, fast 40 % gehen von einer Verschlechterung aus.

Eine weitere Herausforderung für Krankenhäuser wird auch zukünftig die Personalknappheit sein, die u. a. auf eine restriktive Arbeitszeitgesetzgebung sowie einen erhöhten Fachkräftebedarf in ausgewählten Bereichen zurückzuführen ist. Qualifizierte Fachkräfte langfristig zu binden und sie weiterzubilden, ist für den Erfolg eines Krankenhauses von wesentlicher Bedeutung.

Neben effizienten Betriebsabläufen, einem attraktiven Behandlungsspektrum und qualifizierten Mitarbeitern ist vor allem die hervorragende medizinische Qualität entscheidendes Kriterium für ein erfolgreiches Krankenhaus. HELIOS ist davon überzeugt, dass ein systematisches Qualitätsmanagement und eine Dokumentation der medizinischen Ergebnisqualität nicht nur als Marketinginstrumente dienen, sondern Teil des Krankenhausmanagements und somit auch der Vergütung werden sollten. Langfristig könnte die Einführung einer qualitätsabhängigen Vergütung (Pay for Performance) Krankenhäusern die Option eröffnen, Selektivverträge mit Krankenversicherungen zu schließen. Auf eine solche Entwicklung wäre die HELIOS Kliniken Gruppe dank ihrer konsequenten Ausrichtung auf Qualität und Transparenz bestens vorbereitet.

Für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen gilt ab dem Jahr 2013 ein neues, pauschalisiertes Entgeltsystem (PEPP-Entgeltsystem 2013). Der neue Entgeltkatalog ist wesentlich differenzierter als das derzeitige Vergütungssystem und soll die Leistungen in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen transparenter machen. Die Verordnung sieht eine vierjährige Einführungsphase von 2013 bis 2016 vor sowie eine fünfjährige Konvergenzphase von 2017 bis 2021. Für die Jahre 2013 und 2014 können die psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen frei entscheiden, ob sie das neue Entgeltsystem nutzen. Erst ab dem Jahr 2015 ist die Anwendung für alle Einrichtungen verpflichtend. Die neue Verordnung wird für HELIOS bis einschließlich 2016 keine budgetrelevanten Auswirkungen haben. Das Unternehmen erbringt psychiatrische und psychosomatische Leistungen nur in geringem Umfang.

Angesichts des demografischen Wandels, der steigenden Lebensarbeitszeit und der wachsenden Zahl chronischer Krankheiten rechnen Experten damit, dass die medizinische Rehabilitation immer wichtiger wird. Wir erwarten zudem, dass wir durch die steigenden Fallzahlen im Akutbereich und durch eine kontinuierliche Optimierung unseres Überleitungsmanagements unsere Potenziale aus der Verbindung zwischen Akut- und Rehaversorgung besser nutzen und somit die Zahl der Fälle in unseren Rehabilitationskliniken erhöhen können.

Quelle:Statistisches Bundesamt


DER MARKT FÜR ENGINEERING- UND DIENSTLEISTUNGEN FÜR KRANKENHÄUSER UND ANDERE GESUNDHEITSEINRICHTUNGEN

In den etablierten Gesundheitsmärkten ist aufgrund der demografischen Entwicklung weiterhin mit einer zunehmenden Nachfrage nach hochwertiger und effizienter medizinischer Versorgung und damit auch nach Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen zu rechnen. Dabei geht es vor allem um Dienstleistungen, d. h. um die Wartung und Instandhaltung der Medizin- und Krankenhaustechnik, um das Facility-Management, die technische oder die Gesamtbetriebsführung sowie um die Optimierung infrastruktureller Prozesse – insbesondere im Rahmen von Public-Private-Partnership-Modellen. Zusätzliche Wachstumschancen ergeben sich durch die zunehmende Auslagerung von nichtmedizinischen Leistungen bei öffentlichen Einrichtungen an private Dienstleister.

In den aufstrebenden Märkten steigt die Nachfrage nach effizienter und bedarfsgerechter medizinischer Versorgung. Der Aufbau der primären Versorgung ist weitgehend abgeschlossen. In vielen Märkten gilt es daher, die sekundäre Versorgung weiter auszubauen oder im Rahmen von „Centers of Excellence“ tertiäre Versorgungs- sowie Lehr- und Forschungsstrukturen zu schaffen.

Wir erwarten, dass der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen auch im Jahr 2013 wachsen wird. In den etablierten Gesundheitsmärkten gehen wir von einem soliden Wachstum aus, in den aufstrebenden Märkten von einer insgesamt dynamischen Entwicklung.

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